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CCC unterstützt den monatlichen Digital Independence Day

27. Dezember 2025, 12:23 Uhr, linus

Zusammen mit vielen weiteren Organisationen ruft der Chaos Computer Club zum Digital Independence Day auf: An jedem ersten Sonntag im Monat wechseln wir von Big-Tech-Plattformen zu freien, lokalen oder auch einfach nur weniger problematischen Alternativen. In vielen Städten unterstützen Ehrenamtliche des CCC mit Rat und Tat.

Es reicht.

Europa ist im Würgegriff von Big Tech. Die Plattformen scheren sich nicht um unsere Gesetze, zersetzen unsere Demokratie und damit unsere Freiheit. Die Trump-Administration und die mit ihr verbündeten Tech-Milliardäre scheuen sich nicht davor, uns durch diese Abhängigkeiten zu erpressen. Die Bundesregierung wirkt wie ein Reh im Scheinwerferlicht und traut sich nicht einmal, X zu verlassen. Also müssen wir vorangehen. Wenn wir gemeinsam wechseln, können wir den Netzwerkeffekt aushebeln.

Die Macht und das Missbrauchspotenzial der „sozialen“ Medien zeigt sich eindrücklich am Beispiel Twitter: Nach seinem Kauf veränderte Elon Musk die Plattform in kürzester Zeit grundlegend. Strukturen für Faktenprüfung und respektvollen Austausch wurden abgebaut, Reichweiten verschoben, progressive Stimmen verdrängt.

Trotz massiven Vertrauensverlusts bleibt X gesellschaftlich einflussreich: Politische Accounts geben dem Dienst Legitimität, mediale Zitate stärken seine Relevanz und Reichweite. Diese Reichweite wird immer mehr genutzt, um Ausgrenzung und Desinformation zu verbreiten und gezielt politischen Einfluss zu nehmen.

Kürzlich verhängte die EU eine Strafe gegen X wegen Nichteinhaltens grundlegender Anforderungen des Digital Services Act (DSA), der genau den Gefahren der Machtkonzentration entgegenwirken soll. Seitdem verstärkt X auf wundersame Weise die Reichweite EU-kritischer Stimmen, und Elon Musk forderte sogar die Auflösung der EU. Wenige Tage später folgte dann das Einreiseverbot für den ehemaligen EU-Kommissar Thierry Breton, der den DSA maßgeblich gestaltet hat, sowie für Vertreterinnen von HateAid, die im Rahmen des DSA systematisch illegale Inhalte wie Hass, Hetze und Volksverhetzung zur Prüfung und Entfernung melden.

Diese Eskalation zeigt: Hier geht es längst nicht mehr nur um eine Plattform, sondern um den Einfluss auf öffentliche Debatten, demokratische Prozesse und europäische Rechtsstaatlichkeit.

Und X ist kein Einzelfall. Kommerzielle zentrale „soziale Medien“ optimieren auf Aufmerksamkeit und Abhängigkeit – oft mit nachweislich schädlichen Folgen, insbesondere für junge Menschen.

Natürlich müssen Gesetze durchgesetzt werden, die zu unserem Schutz erlassen wurden. Ebenso liegt es aber an uns, Plattformen den Rücken zu kehren, die uns schaden oder sich sogar derart radikal gegen unsere Demokratie stellen.

Mit KI wächst die Machtkonzentration weiter

Zentralisierte „soziale“ Medien analysieren unsere Beziehungen und Interessen, um die Erkenntnisse möglichst gewinnbringend für Werbevermarktung oder politische Einflussnahme zu nutzen. Künstliche Intelligenz verstärkt diesen Trend: Immer größere Datenmengen können ausgewertet, automatisiert genutzt und wirtschaftlich verwertet werden.

Auch Cloud-Dienste behandeln Nutzerdaten zunehmend als Rohstoff – nicht zuletzt, um Abhängigkeiten weiter zu vertiefen.

Das Netz sind wir

WhatsApp, Instagram, X oder Facebook sind Milliarden wert. Ihr eigentlicher Wert sind wir – die Nutzer*innen.

Natürlich ist der Ausstieg nicht immer leicht: Schulklassen, Freundeskreise, politische Debatten – vieles scheint an einzelne Plattformen gebunden. Doch genau hier liegt unsere gemeinsame Chance: Wenn wir den Netzwerkeffekt bewusst nutzen, statt uns von ihm fesseln zu lassen, können wir neue Wege gehen.

Der Digital Independence Day

Beim 39. Chaos Communication Congress ruft der Autor Marc-Uwe Kling zum Digital Independence Day auf.

An jedem ersten Sonntag im Monat machen wir gemeinsam einen Schritt auf die bessere Seite des Netzes. Wir zeigen, dass Alternativen funktionieren, und nehmen Freund*innen und Bekannte am besten gleich mit. Und damit mehr Leute davon erfahren, nutzen wir die neuen und alten sozialen Medien, um unsere Erfahrungen zu teilen.

„Nicht nur der Wechsel ist wichtig, wir müssen danach auch darüber sprechen. Am besten geben wir sogar damit an, dass wir uns von einem Big-Tech-Dienst befreit haben. #DIDit“, sagte Marc-Uwe Kling.

Auf der Kampagnenseite der von vielen weiteren Organisationen unterstützten Initiative werden Wechselrezepte gesammelt.

Mancher Umzug will vorbereitet sein: neue Netzwerke finden, Kontakte behalten, Gewohnheiten anpassen. In vielen Städten stehen dafür Freiwillige des CCC mit Erfahrung, Beratung und praktischer Unterstützung zur Seite:

Wir helfen beim Umzug von Windows 10 zu sichereren Alternativen, beim Umzug von WhatsApp zum geeigneten Messenger, beim Umzug von Gmail zu einem vertrauenswürdigen Anbieter.

Die ersten Workshops zum Digital Independence Day findet schon am 4. Januar statt.
Alle regelmäßigen Termine – auch die der vielen weiteren Partner-Organisationen – werden auf der zentralen Termin-Plattform termine.di.day gesammelt. Supporter*innen und -Gruppen können dort selbstständig Termine anlegen und pflegen.
Die Plattform wird vom Chaostreff Flensburg ehrenamtlich bereitgestellt.

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